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Sagt uns Eure Meinung !
Nachdem wir recht viele Zuschriften zu unserer Aktion “Motorradunfreundlichste Stadt Deutschlands” erhalten haben, rufen wir ab sofort alle unserer Leser auf, uns zu schreiben, worüber sie sich als Motorradfahrer zurzeit am meisten ärgern.
Sei es die unzuverlässige Werkstatt, die Bürokratie der Straßenverkehrsbehörde, das Motorrad, eine gefährliche Baustelle, Nachtfahrverbote oder was immer euch Negatives passiert ist:
Schreibt uns ein paar Zeilen, oder auch einen ganzen Bericht. Sofern er sachlich und nicht beleidigend verfasst ist, werden wir ihn abdrucken und versuchen, uns nach Möglichkeit des Problems anzunehmen.
Als Anwalt der Motorradfahrer setzt sich der BVDM seit seiner Gründung für die Belange und die Rechte der motorisierten Zweiradfahrer ein, nicht nur in der großen Politik, die zugegebenermaßen sehr wichtig ist, sondern auch in den kleinen Bereichen vor Ort. Oft lassen sich durch einige Gespräche mit den Verantwortlichen und sachlichen Informationen die kleinen Ärgernisse beseitigen. Wir wollen euch dabei helfen.
Das geht natürlich nur, wenn wir auch informiert sind.
Also: Jetzt ran an die Tastatur und das Erlebnis aufschreiben.
Oder habt ihr euch noch nie geärgert? Im Gegenteil, ihr freut euch über vernünftige Lösungen und Angebote für Motorradfahrer, freundliche Polizisten und kompetente Werkstätten: Dann schreibt uns erst recht, denn noch viel lieber als über den Ärger berichten wir natürlich über positive Erlebnisse.
Michael Lenzen - BallHupe 2/2004 - Seite 31
Drastische Strafen für Verkehrssünder in Italien
Mit großem Interesse habe ich in der letzten Ballhupe gelesen, dass die Italiener uns einige Schritte in Sachen Verkehrssicherheit voraus sind. Die Sanktionen gegen Helmmuffel und Möchtegernakrobaten können gar nicht hart genug sein, wie folgender tragischer Unfall zeigt. Nutzen Appelle an die Vernunft und zur Vorsicht und Rücksichtname?
Eher wenig, deshalb wurde in den letzten Jahrzehnten großer Wert auf technische Verbesserungen und intensive Schulung vor und nach dem Erwerb des Führerscheins gelegt. Sicherere Technik, bessere Schutzkleidung und Helme helfen Unfälle zu vermeiden oder die Folgen abzumildern. Doch es gibt Fälle, in denen das alles nichts nutzt, sondern nur Einsicht und Vernunft so ein schreckliches Ereignis wie der Unfall am 1. Oktober mit vier Schwerverletzten, eine davon tödlich, zu vermeiden. Was war geschehen?
Da sitzt eine Gruppe Motorradfahrer am Tisch vor einen Restaurant am Comer See und lässt den Tag nach einer erlebnisreichen Tour ausklingen, als einer der Gäste im Vorbeifahren die Kontrolle über sein Motorrad verliert und wie eine Bombe in der Gruppe am Tisch einschlägt. Der Fahrbahnbelag ist dort nicht der Beste, aber es ist ja auch keine Rennstrecke sondern die Zufahrt zu Restaurant und Campingplatz, die zudem häufig auch von Kindern überquert wird, also nicht unbedingt der geeignete Ort für „sportliche“ Fahrweise. Dieser Unfall zeigt auch einmal mehr, wie wichtig die Fähigkeit zur Ersten Hilfe ist. Nicht überall ist der Notarzt in wenigen Minuten zur Stelle. In diesem Fall konnten Ersthelfer, eine Rettungsassistentin und der Arzt nicht mehr helfen. Aber die anderen Opfer wurden wenigstens sachkundig versorgt. Bleibt noch zu erwähnen, dass die italienischen Nachbarn und die anderen Gäste sich als sehr diszipliniert und hilfreich erwiesen haben.
Fazit: Den Spaß auf zwei Rädern nur dort genießen, wo andere nicht gefährdet werden! Und: Ein Zweirad ist ein Zweirad und kein Einrad und unsachgemäße Fahrweise kann schlimme Folgen haben. PS. Bei der bekannten Schwerfälligkeit der italienischen Legislative muss es dort schon häufiger zu schweren Unfällen gekommen sein, die dazu veranlassten, solch drastische Strafen zu verhängen.
Klaus Schumacher - BallHupe 1/2007 - Seite 29
Mit dem Hund im Topcase?
Unser Hund Sissi (10 Kilo, 34 cm Schulterhöhe) hat im letzten Jahr seine Begeisterung fürs Fahrrad-(mit)fahren entdeckt. Da der Rest der Familie leidenschaftliche Motorradfahrer sind, wir aber keine Beiwagenmaschine besitzen, haben wir nun überlegt, ob es möglich wäre, den Hund in einem umgebauten Topcase mitzunehmen. Hat irgendjemand Erfahrungen in dieser Richtung??? Wir wären für Anregungen, Erlebnisberichte usw. dankbar. Ihr könnt mir auch schreiben wenn ihr tierschutzrechtliche Bedenken habt: „Sissi kann – aber sie muss nicht mitfahren“ in diesem Sinne wünsche ich uns allen eine schrottfreie Saison...
E-Mail: franziragi@gmx.de
Fränzi Rauprich-Gissibl - BallHupe 1/2007 - Seite 29
Konfiszierte Motorräder
Bin nun schon seit einigen Jahren Mitglied im Verband und lese immer mit großem Interesse die Ballhupe (auch wenn ich diese im allgemeinen spät erst erhalte). In der letzten Ausgabe habe ich den Artikel über einige Fälle von konfiszierten Motorrädern gelesen und bin recht überrascht gewesen. Ich bin seit mehreren Jahren in unserem Motorradclub („Varadero Club Italia“; www.varaderoclubitalia.it) aktiv, organisiere verschiedene Motorradtreffen im Jahr und fahre auch selber viel in Italien. Auch ich kenne diese Regelung, habe aber bisher von keinem Fall in Italien gehört, bei dem es zu solch einer drastischen Maßnahme gegenüber Motorradfahrern gekommen wäre. Ich weiß, dass diese Regel in Härtefällen des öfteren gegenüber Mopedfahrern (die so genannten motorini und scooter) angewandt wird. Aber auch nur im Norden Italiens. Im Süden gelten sowieso andere Gewohnheiten, auch was die Auslegung von Verkehrsregeln betrifft. Meine Erfahrung ist, dass im Allgemeinen ausländische Motorradfahrer kulant behandelt werden, sofern keine besonders schwerwiegenden Verstöße vorliegen (fahre selber seit Jahren mit einem deutschen Kennzeichen und habe da so meine Erfahrungen).
Sicherlich, die Kenntnis der italienischen Sprache hilft zuweilen. Wenn ich Euch in irgendeiner Weise behilflich sein kann, sei es auch mit einer Übersetzung, so lasst es mich wissen. Helfe gerne. Allzeit gute Fahrt!
Ciao aus Bergamo/Italien
E-Mail: adriano.fumagalli@bergamocom.it
Adriano Fumagalli - BallHupe 1/2007 - Seite 30
Sind Rallyes und Orientierungsfahrten noch zeitgemäß?
Hallo Freunde!
Im vorigen Jahr hat mich mein alterMotorradfreund Werner Conrad mitgelockt zur BVDM-Spessartfahrt.
Schön war’s!! Und weil es so schön war, bin ich in diesem Jahr mit meiner guten alten BMW R 50 und Mutter im Seitenwagen Steib TR mal in den südlichen Schwarzwald gefahren. Da macht nämlich seit einigen Jahren ein BVDM-Mitglied die so genannte Hotzenwaldrallye. Die ist im Grunde nichts anderes als die ehemaligen Enzian-Rallye, und das war für mich und viele meiner alten Kumpels immer einer der Höhepunkte des Motorradsommers. Das Wetter spielte mit, anstatt schneebedeckter Gipfel gab es eine tolle Streckenführung, was mir persönlich mindestens genauso gut gefallen hat, wesentlich weniger Verkehr, preiswerte Quartiere und gutes Essen für kleines Geld.
Was mir jedoch aufgefallen ist, und das ist auch der tiefere Grund für diesen Schrieb, ist etwas anderes. Zu meiner Zeit - so vor 25 bis 30 Jahren - waren das im Zillertal immer so 60 bis 70 Teilnehmer. Da musste manchmal der „Asbach“ die Teilnehmerzahl begrenzen, weil das aus organisatorischen Gründen mit mehr Leuten nicht zu machen war. Und heute? 18 Starter, fünf Gespanne und 13 Solisten!! Ich bin heute nicht mehr im BVDM. Mein Freund Werner bringt mir schon mal eine Ballhupe mit und darin steht, dass der BVDM 13.000 Motorradfahrer betreut. In den frühen 70er Jahren waren es nach meiner Erinnerung keine 1000 und da kämpfte man manchmal um einen Startplatz.
Da frage ich mich mal: 1000 Mitglieder und 80 Starter bei einer guten Veranstaltung 1980 und 13.000 Mitglieder mit 18 Startern, davon noch ein Teil alter Strategen aus Enzian-Zeiten - da stimmt doch was nicht. Fahren die alle nur zu diversen Treffpunkten, laufen da in ihren bunten Anzügen vor ihren blank geputzten Maschinen mit stolz geschwellter Brust auf und nieder und erzählen tolle Geschichten oder haben die nur ein Motorrad, weil der Nachbar auch eins hat? Ich weiß es nicht, es ist mir auch egal. Ich werde jedenfalls, auch wenn ich seit langer Zeit kein BVDM-Mitglied mehr bin, an der Spessartfahrt teilnehmen und wenn ich im nächsten Sommer gesund bin, geht’s auch wieder in den Hotzenwald. Schließlich muss ich ja meinen Wanderpokal verteidigen, denn ich habe als der dümmste und lahmste Fahrer die rote Laterne bekommen.
So, das musste ich mir mal von der Seele schreiben, denn ich finde es nicht gut, wenn sich Leute aus Idealismus eine Riesenarbeit für eine wirklich gute Veranstaltung machen und es kommen von 13.000 ganz 18!!! Leute.
Antwort der Redaktion:
Lieber Werner, wir freuen uns natürlich, dass Du als ehemaliges Mitglied zumindest den BVDM-Veranstaltungen die Treue hältst. Die sind im Übrigen für Mitglieder preiswerter, so dass du bei der Teilnahme an mehrerer Veranstaltungen Deinen Mitgliedsbeitrag schon fast wieder raus hast. (Überleg doch mal, ob das nicht ein weiterer Grund ist, wieder bei uns Mitglied zu werden. Denn dass Dir der Verband nicht egal ist, merkt man an Deinem engagierten Leserbrief). Natürlich hast Du Recht, dass es für den Veranstalter ärgerlich ist, wenn nur wenige Teilnehmer kommen. Aber die Motorradszene hat sich stark verändert. Motorradfahren ist für viele ein Hobby und keine Überzeugung mehr, wie das zu Deiner Zeit noch der Fall war. Dazu kommen noch die Kosten, die die Teilnahme an einer Rallye mit sich bringen und der Aufwand, den man bei der Vorbereitung treiben muss. Ich glaube, viele Leute fahren heute lieber bei einer geführten Tour mit. Und zum anderen muss man natürlich auch viel Werbung machen, dazu gehört auch ein Artikel über die Veranstaltung in der Ballhupe und anderen Motorradzeitschriften, sowohl als Ankündigung als auch mit einem Bericht von der Veranstaltung selber. Ich hoffe, Dein Leserbrief ist eine Anregung für den einen oder anderen, wieder oder erstmalig aktiv an den zahlreichen guten BVDM-Veranstaltungen teilzunehmen. Michael Lenzen
Werner Baugert - BallHupe 3/2006 - Seite 29
Für und Wider von Textilkombis
Lieber MZ Pitt,
dein Beitrag in der Ballhupe 3/2005 veranlasst mich, einige Anmerkungen über die textile Motorradbekleidung mit GORE-TEX Membran zu machen. Ich fahre im Jahr mit dem Motorrad über 20.000 km in ganz Europa, zum Teil darüber hinaus und zu allen Jahreszeiten. Im Laufe von mehr als 25 Jahren habe ich die unterschiedlichsten Arten von Motorradbekleidung ausprobiert. Leder war früher das Non Plus Ultra, weil es nichts Anderes und Besseres gab. Der Barbour war nur in bestimmten Anwendungsbereichen eine Alternative. Aber heiß und kalt wurde es einem doch im Leder, weil es die Temperaturen ungemindert weiterleitet. Zusätzlich ist das Leder noch mit Anilin gefärbt oder chemisch behandelt worden, so dass es kaum Atmungsaktivität hat. Das Problem wird bei Regenfahrten noch viel schlimmer, da die Feuchtigkeit von der Haut nicht nach außen gehen kann und bei Verwendung eines schützenden Regenoveralls noch eine zusätzliche Sperre dazukommt, die dann verhindert, dass die Feuchtigkeit nach außen gelangt. Die Folge ist Auskühlung. Nach diversen wenig befriedigenden Versuchen mit textiler Bekleidung und Regenhaut fahre ich seit 10 Jahren deshalb mit GORE-TEX Bekleidung. Damit bin ich sehr zufrieden und habe ein komfortables Gefühl. Die Membran funktioniert als mikroporöse Membran nach dem Prinzip von Teflon und stößt permanent das von außen auftreffende (Regen-) Wasser bis zu einem Druck von acht bar ab. Gleichzeitig kann aber die innere Feuchtigkeit in Form von Dampf entweichen. Das funktioniert nach entsprechenden physikalischen Gesetzen aber nur bei Temperaturunterschieden vom inneren Mikroklima zur Außentemperatur. Nebenbei bemerkt ist die GORE-TEX Membran auch 100% winddicht. Die Erfahrungen, die du damals bei der BMW-Kombi gemacht hast, habe ich auch gemacht. Sie gelten heute aber nicht mehr. Die Entwicklungen und der Fortschritt sind weit(er) vorangeschritten. Heute gibt es Techniken, die es ermöglichen, entweder die Membran herauszunehmen oder sogar einen Cordura Stoff zu verwenden, der den Fahrwind komplett durchlässt und vor Abrieb schützt. Die Firma Rukka nennt ihr Programm AIR POWER TECHNOLOGY. Das kann ich aus eigener Erfahrung bei heißen Sommertemperaturen sehr empfehlen. Schwitzen findet dann eigentlich nur noch im Stehen statt. Diese Technologie funktioniert bei allen Wetterbedingungen, weil bei dem entsprechenden Anzug auch noch mit Outlast zur Temperaturregulierung und der „Air Vantage“ als „aufblasbaren Luftkammerjacke“ gearbeitet wird. Als Vielfahrer trage ich vor allem in der Übergangszeit und im Winter sehr gerne ein 3-Lagen-Laminat, bei dem die Membran in den Oberstoff einlaminiert ist und sich der Stoff nicht voll Wasser saugen kann, wohl aber atmungsaktiv ist. Ein unbezahlbarer Vorteil bei Nässe und Kälte. Denn wenn es regnet, kann es passieren, dass sich bei anderen Anzugtypen zwischen dem Außenstoff und der wasserdichten Innenlage Wasser in den Falten fängt. Das wird dann auch im Sommer eiskalt, verursacht durch die Windverdunstungskälte. Und dann hast du im Schritt das Gefühl, die Pampers hätten versagt, obwohl unten drunter alles trocken ist. Deshalb brauchtest du bei dem von dir erwähnten Anzug einen Regenkombi drüber - um eben auch im Sommer der Auskühlung zu entgehen. Das gilt für viele Anzüge heute noch.Docj mit so einem 3-Lagen- Laminat Anzug bekommst keine bösen Blicke beim Betreten eines Lokals, weil du eine triefende Spur hinter dir lässt, sondern eher das Staunen anderer Motorradfahrer, die frierend auf ihren Motorrädern hocken. Bei Rukka fährst du mit dem 3- Lagen-Laminat nicht nur bequem, sondern auch durch den Einsatz von ARMACOR sicher, einem Kevlar-Cordura Gewebe, das im Abriebschutz vergleichbar mit Leder ist. Mit all diesen Hightech- Geweben ist aber eines verbunden: Naturfasern, besonders Baumwoll-Unterwäsche vertragen sich damit nicht besonders gut. Nur Funktionsunterwäsche aus Kunstfaser funktioniert. Allein die saugt Körperschweiß auf und führt ihn sofort durch die Jacke hindurch nach draußen ab – durch die Hose natürlich auch. Als ansonsten eingeschworener „Naturfaserträger“ hatte ich damit anfangs ein Problem im Kopf - am Beispiel des Baumwollhandtuchs, das du zum Wasseraufsaugen verwendest, wird das deutlich. Ich habe übrigens den neuen Rukka ALLROAD Anzug inzwischen ausprobiert und kann dir sagen, er hält was er verspricht. Vor allem als „Reiseenduro“-fahrer bin ich begeistert. Mehr dazu gerne am Ende der Saison.
Jürgen “Juri” Grieschat - BallHupe 2/2006 - Seiten 33 / 34
Nachteile klar herausstellen
Hallo Henning,
zunächst meinen ganz herzlichen Dank für deine ausführliche Stellungnahme zu dem „Reizthema“ Tagfahrlicht (TFL).
Der BVDM und auch ich persönlich freuen uns über jede Anregung, Mitarbeit oder eben auch konstruktive Kritik. Bevor ich – ebenfalls ausführlich - versuchen werde, im einzelnen auf Deine Fragen und Gegenargumente einzugehen, lasse mich bitte folgendes vorweg schicken. Der BVDM wird obligatorisches TFL in Deutschland vermutlich nicht aufhalten können und seine Einführung auch nicht nennenswert verzögern. Die Planungen seitens des Bundesverkehrsministeriums (BMVBS) sind bereits zu weit fortgeschritten, so dass leider mit einem weiteren national-staatlichen Einzelgang vermutlich in 2007 zu rechnen sein wird.
Was wir versuchen können und versuchen werden, ist für eine pan-europäisch einheitliche Verkehrsgesetzgebung bezüglich TFL zu plädieren und auf eine dringend notwendige Nachbesserung hinsichtlich des Signalbildes von Krafträdern unter obligatorischem TFL zu drängen. Hierfür ist es jedoch strikt notwendig, dass der BVDM die angedachte Gesetzesinitiative der Bundesregierung in ihrer jetzigen Form zunächst ganzheitlich ablehnt; wofür es auch zahlreiche Argumente gibt. Nur so können wir erreichen, in einen konstruktiven Dialog mit den Entscheidungsträgern eingebunden zu werden und unter Umständen gestalterisch an notwendigen Modifikationen im Sinne und Interesse der Motorradfahrer mitwirken zu können. Dies ist die eigentliche Intention unserer Öffentlichkeitsarbeit zu TFL. Wenn es dem BVDM dabei gelingt, zahlreiche Motorradfahrer/ -innen für das Thema Verkehrssicherheit zu sensibilisieren, ist ein weiteres wichtiges Ziel erreicht.
Nun zu Deinem Einwurf. Wg. Polemik Der ursprüngliche Arbeitstitel meines Artikels in der Ballhupe lautete: „Fiat lux – Taglicht für alle“ und wurde (mit meiner Zustimmung) von der Redaktion redigiert. Der neue Titel der Druckfassung ist sicherlich provokanter und erregt (vollkommen beabsichtigt) mehr Aufmerksamkeit, aber einen unsachlichen Angriff (Polemik) kann ich darin nicht erkennen, schließlich erscheint TFL tatsächlich geeignet, das Leben von Motorradfahrern, Fußgängern und Fahrradfahrern zusätzlich zur bisherigen Gefahrenlage verstärkt zu gefährden. Solltest du hingegen die bloße Nicht-Erwähnung eines möglichen, positiven Potentials von TFL bereits als Polemik fehl interpretieren, so lasse dir sagen, dass ich das von der Öffentlichkeitsarbeit des BMVBS „abgekupfert“ habe. Hier wird nämlich andersherum nur ein Sicherheitsgewinn für Pkw-Fahrer proklamiert; ein real existentes Gefährdungspotential für andere Verkehrsteilnehmer wird der Einfachheit halber überhaupt nicht erwähnt. (s. TV-Spots des DVR oder Pressemitteilungen des BMVBS). Alleine schon der Zeitpunkt, als Ex-Minister Stolpe just zu Beginn der „dunklen Jahreszeit“ für eine freiwillige Selbstverpflichtung zum Fahren mit Licht aufrief, erscheint mir manipulativ. Eine jüngst veröffentlichte Umfrage der DEKRA, wonach sich knapp zwei Drittel der Autofahrer (!) für ein verpflichtendes TFL aussprachen, hat ebenfalls ausschließlich in den Wintermonaten stattgefunden. Wie wäre die Umfrage wohl ausgegangen, wenn sie zwischen Mai und September platziert worden wäre? Wg. Vorstand Ein klares Ja. Mein Artikel in der Ballhupe spiegelt die breite Ansicht des BVDM zu diesem Thema wider. Ich habe jede Verbandsrelevante Korrespondenz zu TFL stets mit dem BVDM Vorstand und anderen Fachreferenten abgestimmt und habe dabei ausnahmslos Zustimmung und Unterstützung erfahren. Die gemeinsame Position wird übrigens voraussichtlich von einem Vorstandsmitglied des BVDM auf verschiedenen Fachtagungen vorgetragen werden (z.B. Deutsche Verkehrswacht in Hannover und nicht etwa von mir. Ich hege keinerlei persönliche Profilierungsabsichten und werde nur Sachthemen-spezifisch zuarbeiten.
Wg. Feldstudien: Geografisch und zeitlich eingegrenzte Feldstudien werden in der wissenschaftlichen Literatur fast ausnahmslos als mehrheitlich unspezifiziert und in ihrer Aussagekraft als nicht signifikant beurteilt. Für deutsche Verkehrsverhältnisse wäre es wünschenswert und am ehestens angemessen, Erfahrungswerte aus Österreich abzuwarten. Aussagefähige Statistiken sind von dort jedoch frühestens ab 2008 zu erwarten; und somit erst subsequent zu einer vermuteten Einführung von TFL in Deutschland. Wg. Pflichtveranstaltung: Tja, sorry Henning – aber genau darum geht es doch. TFL wird bedeuten, dass wenigstens 2 frontale (LED-) Leuchten an Pkw und Lkw mit hoher Lichtstärke permanent brennen sollen. Ein sensorisch, adaptives System (ähnlich eines Regensensors zur Einschaltung der Scheibenwischer) ist seitens des Gesetzgebers nicht angedacht. Den GAU (größten anzunehmenden Unfall) stellt eine jahrelange Übergangszeit dar, wo Neufahrzeuge mit automatisiertem LEDTFL und Altfahrzeuge mit nur manuell zuschaltbarem Abblendlicht (durch Fehlbedienung wahlweise Fernlicht, Standlicht oder eben gar kein Licht – human factor!) auf unseren deutschen Straßen fahren werden. Diese real zu erwartende Durchmischung des Signalbildes der verschiedenen Verkehrsteilnehmer wird als die größte Gefahr für Motorradfahrer, Fußgänger und Fahrradfahrer vermutet! Die von dir genannten Feldstudien auf Rügen und in Niedersachsen gelten übrigens für das BMVBS als mittlerweile aussagefähig abgeschlossen!
Wg. Sichtbarkeit: Die von dir beschriebenen Begegnungen der „dritten Art“ sind auch mir geläufig. Silber und anthrazitgrau sind die modischen Renner bei Pkw-Farben. Wer kauft schon gerne ein knallgelbes oder signalrotes Auto? Wir Motorradfahrer mit unserem Hang zu schwarzem Leder oder zu dunklen Textilien (unempfindlich gegenüber Straßenstaub) sind da aber keinen Deut besser. Es soll aber unbestritten bleiben, das Pkw großflächige Fahrzeuge sind und deshalb im Straßenverkehr immer auffälliger und besser wahrnehmbar sind, als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer mit schmaler Silhouette (Kradfahrer, Radfahrer, Fußgänger).Verbindliches TFL für Motorradfahrer wurde 1989 erfolgreich eingeführt, um – ausdrücklich - die visuelle Aufmerksamkeit für uns derart benachteiligte Verkehrsteilnehmer aus o.g. Gründen zu erhöhen! In der derzeit avisierten Gesetzesfassung für ein obligatorisches TFL findet sich keine Entsprechung hinsichtlich der besonderen Gefahrenlage für Motorradfahrer/innen.
Wg. Spekulation: Wie du oben selbst formuliert hast, sollen die Ergebnisse einer reinen Metastudie auf Literaturbasis als sehr unsicher und wissenschaftlich hinterfragbar gelten. Ebenso sind die von mir im Artikel der Ballhupe dargestellten, denkbaren Konsequenzen für Motorradfahrer und anderer ungeschützter Verkehrsteilnehmer nicht nachhaltig wissenschaftlich untersucht und bewiesen. Sie sind aber auch ebenso wenig widerlegt! Es gibt keine jüngeren Arbeiten und Fallstudien zu diesem Thema. Spekulative Unsicherheit herrscht also hüben wie drüben. Solange aber berechtigte und argumentativ schlüssige Zweifel nicht ausgeräumt werden können, obliegt es dem Gesetzgeber hier zu reagieren und für gesellschaftliche Aufklärung Sorge zu tragen. Jeder Bürger hat das Recht, das seine begründeten Zweifel inhaltlich schlüssig beantwortet werden. Monokausale Image-Kampagnen dürfen nicht als Argumentation fehl verstanden werden. Hierzu sind leider noch viele Fragen offen und unbeantwortet.
Wg. Begegnungsunfällen: Hier wäre ich dir dankbar, wenn Du mir den „hinreichenden Nachweis“ für erheblich sinkende Unfallzahlen mit Fußgängern und Radfahrern aus irgendeiner Studie belegen könntest. Die jeweiligen Fachverbände dokumentieren komplett gegensätzliche Effekte als Erwartung. Die meisten, 20 bis 30 Jahre alten Studien beziehen sich auf skandinavische Länder. Hier spielen Fußgänger, Fahrradfahrer und nicht zuletzt auch Motorradfahrer eine nur untergeordnete Rolle im allgemeinen – vorwiegend ländlich geprägten – Verkehrsgeschehen mit geringer Verkehrsdichte. Eine daraus abgeleitete Signifikanz für deutsche Verkehrsverhältnisse wäre äußerst fragwürdig. Der einzig relevante, wissenschaftlich unstrittig akzeptierte Profit bei Begegnungsunfällen ist die signifikante Abnahme von Kollisionen mit Rotwild (Elche, Damwild, etc.)
Wg. Gefahrenerkennung: Zu deinem Argument die „benachteiligten, unbeleuchteten Verkehrsteilnehmer“ [..] „sind all[e] froh, wenn sie frühzeitig eine Gefahr durch Licht erkennen“ wäre vieles kritisch einzuwenden. Z.B. Verursacherkausalität, juristische Beweislastumkehr oder Risikohomöosthase der privilegierten Verkehrsteilnehmer. Obligatorisches TFL wird die Sorgfaltspflicht – das Gebot die Verkehrssituation stets aufmerksam zu beobachten – weg von den beleuchteten, schnellen, motorisierten Verkehrsteilnehmern hin zu den unbeleuchteten, langsamen oder statischen Verkehrsteilnehmern (Fußgänger, Fahrradfahrer) verschieben. Dies geschieht, weil die Aufmerksamkeit tendenziell und unterbewusst mehrheitlich nur noch dem beleuchteten Verkehr gewidmet werden wird. Die ungeschützten Verkehrsteilnehmer werden also zusätzlich zu einem abermals erhöht defensiveren Verhalten gegenüber dem motorisierten Straßenverkehr genötigt, ohne das ihre eigene Gefährdung nachhaltig reduziert werden würde. Dies gilt gleichermaßen für Motorradfahrer, da sie unter obligatorischem TFL ihr wichtigstes, passives Schutzprivileg ersatzlos einbüßen werden.
Wg. Unfallzahlen: Mehr als 6 von 10 Pkw auf deutschen Strassen verfügen derzeit über ABS, ESP oder wenigstens 2 Airbags. Die anderen 4 von 10 verfügen immerhin über eine Stahl ummantelte Kabine und eine Knautschzone, welche die Risiken der Insassen bei einer Unfallbeteiligung signifikant reduziert. Der technische Fortschritt mit Fahr-Assistenz-Systemen und instrumentalisierten Sicherheitskomponenten hat die vergangenen Jahrzehnte fast ausschließlich nur die Pkw-Insassen profitieren lassen. Hier sind die Zahlen der Unfallopfer stetig und bedeutsam zurückgegangen. Motorradfahrer sind mehrheitlich weiterhin nur durch Helm, Schutzbekleidung und vorausschauende Fahrweise geschützt. Ihre Unfallzahlen variieren durch schlechtes oder schönes Wetter, den Spritpreisen oder ihr durchschnittlich gestiegenes Lebensalter. Dennoch sind die Unfallzahlen mit Zweiradbeteiligung (saisonal bereinigt) absolut gesunken – wenngleich weniger signifikant als bei Pkw. Obligatorisches TFL wird hier kontraproduktive Effekte setzen. Wg. volkswirtschaftlichen Effekten: Sicher sind 300 getötete Pkw-Fahrer weniger, bei lediglich 50 zusätzlich getöteten Motorradfahrern „unter’m Strich“ ein Zugewinn für die soziale Gemeinschaft. (Henning, DAS nenne ich Polemik...) Tatsächlich spielen aber volkswirtschaftliche Produktivitätsausfälle durch Unfalltod, Krankenstand oder Unfallrenten eine wichtige Rolle in der politischen Betrachtung dieser Problematik. Dem Staat obliegt hierbei die Pflicht der Gefahrenabwehr für alle seine Bürger. Hierbei bedient der Staat sich oft einer „Mischkalkulation“. Die Einnahmen aus Branntwein-, Tabak oder Mineralölsteuer werden den daraus resultierenden „Verlusten“ volkswirtschaftlich generierter Produktivität gegen gerechnet. Entsteht ein unvorteilhaftes Ungleichgewicht, wird versucht regulierend zu intervenieren ... (DAS ist auch Polemik – ich kann es nicht lassen...) Laut Grundgesetz ist es dem Staat jedoch untersagt, Gesetze zum Vorteil und Profit einer gesellschaftlichen Majorität und gleichzeitig aber zu Ungunsten und zum Nachteil einer gesellschaftlichen Minorität zu etablieren (Minderheitenschutz). Wenn nun genau dieses in Punkto TFL geschehen wird, dann soll aber -bitteschön – jemand laut und deutlich die politische Verantwortung dafür übernehmen! Ich hoffe, ich konnte dir mit meiner Antwort weiterhelfen. Es wäre schön, wenn du dich weiterhin konstruktiv und kritisch an der Arbeit des BVDM beteiligen könntest.
Frank Tobien - BallHupe 2/2006 - Seiten 30 - 33
Mehr Sicherheit für alle
Lieber Motorradfreund Tobien,
danke für deinen ausführlichen Bericht über das Thema Tagesfahrlicht und dass du dich in der Sache so engagierst. Ich bin aber auf Grund meiner eigenen jahrelangen Tätigkeit als BVDM-Referent für Verkehrssicherheit – und aus eigener jahre- und kilometerlanger Verkehrserfahrung - in vielen Punkten nicht einig mit dir. Was mich vor allem stört ist die wie ich finde unangemessene Polemik in der Diskussion. Mich würde aber auch interessieren, ob deine Aussage, dass der BVDM sich weiterhin in „unserem gemeinsamen Interesse“ für dieses Thema einsetzen wird, auch bedeutet, dass sich der Vorstand im Namen des BVDM deiner Haltung gegen allgemeines Tagesfahrlicht in der vorgetragenen Form anschließt.
Nicht nur persönlich, sondern auch als Mitglied unterstütze ich diese Aussagen in dieser Form nicht. Ja! Die Studie der BASt ist absolut unzureichend. Es ist gar keine Frage, dass man eine reine Literaturstudie nicht dazu benutzen kann oder darf, so weitreichende gesetzliche Maßnahmen bei dieser sensible Verkehrsthematik durchzudrücken.
Dazu gehört eine sehr weitreichende und tiefgreifende Feldstudie, die in Deutschland so (noch) nicht stattgefunden hat. Dafür muss sich der BVDM eindeutig einsetzen. Solche Feldversuche finde zwar mittlerweile im kleinen Rahmen statt (Rügen, Niedersachsen), müssen aber zwingend ausgeweitet und vor allem längerfristig bewertet werden. NEIN! Ich bin nicht für die Einführung einer Pflichtveranstaltung. Aber ich bin sehr dafür, dass endlich mehr mit Licht gefahren wird da wo es tatsächlich nötig ist. Mal Hand aufs Herz: wie oft hast auch du erst spät - vielleicht gerade rechtzeitig, oder doch zu spät? – in einer dunklen Allee, gegen die Sonne oder auch mit einer tiefstehenden Sonne im Rücken – so manches entgegenkommende Fahrzeug nicht oder erst sehr spät erkannt, bloß weil es nicht mit Licht fuhr? Wann machst du im Auto in der Schummerstunde oder allgemein bei schlechten Licht- oder Wetterverhältnissen selber das Licht an? Hältst du es wie die meisten anderen die glauben, dass es nur nötig ist, das Licht anzumachen wenn man selber etwas sehen will oder hast du auch erkannt, das es vielmehr darum geht dass du gesehen wirst? Es ist leider meine Erfahrung, dass die wenigsten wirklich in der Lage sind, das Licht zur rechten Zeit tatsächlich einzuschalten (und wieder auszuschalten). Ich treffe in meiner Bergischen Gegend sehr viele von diesen Schwarzfahrern, mit ihren silbernen oder dunkel-metallic-farbenen Limousinen, die alle Farben der Umgebung geradezu aufsaugen und mit ihrer Umgebung eins werden - und so sehr schlecht oder oft genug auf den ersten Blick gar nicht zu sehen sind. Ich bin froh, dass ich noch so gut sehen kann und so genau hinschaue, bevor ich überhole, dass ich sie immer noch alle rechtzeitig erkenne – allemal wenn sie mit Licht fahren. In genau der Situation geht mir zwar dann doch die Pflicht durch den Kopf - ich setze aber viel mehr auf gezielte Erziehung und Aufklärung und vor allem auf intelligente Systeme, die „Lichtpflicht-Situationen“ selber erkennen und im Bedarfsfall dann auch einschalten. Zu diesem Diskussionskreis gehört dann auch die von dir richtig dargestellte Problematik einer anderen Art von Leuchten an Motorrädern. NEIN! Tagesfahrlicht gefährdet nicht unbedingt Leben. Dieser Satz ist genau so falsch wie richtig und deshalb nicht nur polemisch sondern unnötig: So sollten wir die Diskussion aus unserer Sicht nicht führen! Nach allen bisherigen Kenntnissen ist es nach wie vor reine Spekulation, ob durch die Einführung einer allgemeinen Tageslichtpflicht für alle Fahrzeuge es in der Folge zu einer Zunahme von Unfällen mit Motorrädern kommt. Es ist aber hinreichend nachgewiesen - wenn auch noch nicht in gleicher Weise in Deutschland, dass Tagesfahrlicht eine gewisse Anzahl bestimmter anderer Unfälle - vor allem Begegnungsunfälle und Unfälle mit Fußgängern oder Radfahrern - z.T. erheblich reduzieren kann. Insofern hinkt an dieser Stelle dein Gleichsetzen der Motorradfahrer mit den benachteiligten unbeleuchteten Verkehrsteilnehmern, weil die gar nicht in dieser Weise von dieser Maßnahme betroffen sind, weil sie ohnehin unbeleuchtet sind. Sie sind all froh, wenn sie frühzeitig eine Gefahr durch Licht erkennen; dabei spielt es dann keine Rolle ob es um Auto oder Motorrad geht. Wir dürfen die Diskussion nicht auf einem Niveau führen, wo wir den möglichen Sicherheitsgewinn für viele andere Verkehrsteilnehmer nur deshalb blockieren, weil wir uns als Motorradfahrer sehr diffus in Gefahr sehen. Aus Motorradfahrersicht ist die Angst zwar verständlich, dass genau das passiert. Aber: Aus gesellschaftlicher Sicht ist es ein absoluter Gewinn, wenn durch eine allgemeine Tageslichtpflicht wie prognostiziert bis zu 300 Unfalltote - oder gar mehr) weniger zu beklagen sind. Es wäre zwar (auch aus gesellschaftlicher Sicht) bedauerlich, wenn das tatsächlich auf Kosten von X-Anzahl mehr getöteter Motorradfahrer ginge, aber erstens wird diese Zahl auf weit unter 50 geschätzt und zweites können wir uns nicht für wichtiger erklären als - und uns gegen eine Bevölkerungsmehrheit aufrechnen, die nicht Motorrad fährt und die ebenfalls ein Recht auf mögliche Verbesserungen der Verkehrssicherheit hat. Damit wir uns nicht falsch verstehen: jeder im Verkehr getötete ist einer zuviel, aber nüchtern betrachtet ist ein möglicher Zugewinn von 300 weniger getöteten ein Erfolg gegenüber einem möglichen Verlust von 50. Ich trauere über jeden der im Verkehr sein Leben verliert oder schwere bleibende Schäden (oder Schäden überhaupt) davonträgt - egal ob es ein Fußgänger, Fahrrad- Motorrad- oder Lkw-Fahrer ist...
Henning Knudsen - BallHupe 2/2006 - Seiten 29 / 30
Das Licht auch einschalten
Zum Thema Tagfahrlicht für Pkw:
Es überrascht mich doch, wie vehement auf einmal gegen das Tagfahrlicht bei Pkw gewettert wird. Bevor wir uns aber auf die Autofahrer bzw. den Gesetzgeber stürzen, sollten wir mal etwas vor der „eigenen Haustüre kehren“. Es wird angeführt, dass wir uns mittels unseres Scheinwerfers von der Umwelt besser abheben. Nun ja, um sich von der Umwelt abzuheben, gibt es auch andere Möglichkeiten, als ein Licht mit einem Durchmesser von rund sechs bis zwölf Zentimetern. Aber solange in den Motorradbekleidungsläden 80 Prozent der Klamotten in schwarz und schwarz mit dunkelblau hängen und diese „Tarnanzüge“ auch noch gekauft werden, solange ist das wohl nix mit dem Abheben von der Umwelt. Bedenklich ist auch, dass es Bekleidungshersteller gibt, die komplett schwarze Fahranzüge herstellen und eine auf dem Rücken angebrachte Reflektionsfolie in der Größe eines Fingernagels als „Sicherheitsfeature“ verkaufen. Als Nächstes ist die Geschichte mit dem Tagfahrlicht bei motorisierten Zweirädern einmal kritisch zu betrachten. Tatsache ist, dass der Scheinwerfer zum besseren Erkennen des Zweirades und dessen Fahrer dient. Vorausgesetzt, er funktioniert bzw. ist auch wirklich eingeschaltet. Habt ihr mal beim Fahren nicht nur auf die schöne Gegend, sondern auch mal auf die Motorräder im Gegenverkehr geachtet? Wie viele Unterblichtete habt ihr da gesehen. Ich wage zu behaupten, dass die Quote deutlich über zehn Prozent liegt. Das macht bei 3,4 Mio. zugelassenen Zweirädern ... Aber vielleicht wollen diese Zweiradler ja nur Benzin sparen, denn in der Ballhupe 4/2005 ist ja nachzulesen, dass das eingeschaltete Fahrlicht zu „Benzinmehrverbrauch“ führt. Eigentlich müssten sich die Zweiradhersteller bei den lichtlosen Motorradfahrern bedanken, denn dank ihnen können sie künftig die Lichtschalter an den neuen Mopeds einsparen. Dass das Tagesfahrlicht bei den Zweirädern ein Sicherheitsgewinn war und ist, ist unstrittig. Unstrittig ist aber auch, dass die Mehrzahl der Motorradler bei schönem bzw. sonnigem Wetter unterwegs ist. Dient im strahlenden Sonnenschein der Scheinwerfer wirklich so sehr der besseren Erkennbarkeit von Zweirädern??? Und damit wären wir wieder beim Erscheinungsbild bzw. der Bekleidung des Fahrers bzw. der Fahrerin. In diesem Sinne, erstmal die eigenen Hausaufgaben machen, was das Erkennen der Zweiradler angeht. Dann ist immer noch Zeit, über das Tagfahrlicht bei Pkw zu meckern.
Uwe Warth - BallHupe 1/2006 - Seite 30
Nachlese zur JHV
Mit Vergnügen habe ich gerade einmal wieder die Ballhupe gelesen. Unter anderem auch den Bericht über die JHV und die Vorstandswahlen. Wieder einmal ist der Andrang der Mitglieder, ob nun zur Bundesbeiratssitzung oder zur JHV, höchstens mäßig zu nennen. Dies kann bestimmt nicht an der Organisation oder am Austragungsort gelegen haben, denn in den letzten Jahren war es eigentlich nie richtig voll auf der JHV. Wir haben sie hier in Soest selbst erst vor einiger Zeit ausgerichtet. Auch ich bin in den letzten Jahren nur vereinzelt einmal bei einer solchen JHV aufgelaufen. Warum nur? Ich denke, die Antwort ist u.a. im Altersdurchschnitt unserer Mitglieder zu suchen. Auch ich bin nicht mehr der zornige junge Mann der ich vor 15-20 Jahren noch war. Man wird bequem und auch jedes „freie“ Wochenende muss mit zu Hause abgestimmt sein (jetzt bitte nicht den Vorschlag, meine Frau könne ja mitkommen - macht sie bestimmt nicht). Aber es ist so wie es ist, und muss man als Verein nicht letztendlich dem Verhalten seiner Mitglieder Rechnung tragen? Wenn die Leute nicht zum Bier trinken in die Kneipe kommen, kann man ihnen das Bier auch nach Hause liefern. Soll in diesem Fall heißen, warum wurde z.B. nicht die Ballhupe als Wahlkampfplattform für die Wahl zum Vorsitzenden genutzt. Eine kurze „Wahlkampfrede“ wird auch dem größten Teil der anwesenden stimmberechtigten Mitglieder die Kandidaten nicht nachhaltig vorgestellt haben. Wenn die stimmberechtigten Mitglieder nicht zur Wahlurne kommen, warum besteht nicht die Möglichkeit einer Briefwahl? Ich weiß jetzt nicht, ob das bundesdeutsche Vereinsrecht so etwas überhaupt zulässt, bei Bundes-/Landtagswahlen etc. nutze ich diese Möglichkeit jedenfalls ständig. Gleiches gilt für die Bundesbeiratssitzung. Natürlich habe ich als Vorsitzender eines BVDM-Ortsclubs eine Meinung zu den jeweiligen Tagesordnungspunkten. Nur ist es mir nicht wichtig genug, dafür jedes mal einige hundert Kilometer zu fahren. Ist schade oder vielleicht auch nicht anständig von mir, aber so ist es nun einmal. Kann man hier nicht vielleicht eine Onlinemöglichkeit andenken, vielleicht in der Form einer regelmäßigen Mailingliste? Ich freue mich, dass sich wieder einige Kameraden gefunden haben, die bereit sind, Vereinsarbeit zu leisten, für die ich leider zu faul bin und wünsche dem neuen Vorstand alles Gute und vor allem auch Freude an der Arbeit. Traurig stimmt mich natürlich der Weggang vom Frank Klemens. Ich möchte und kann es aus der Distanz nicht bewerten, wenn es wirtschaftlich einfach nicht reicht für eine professionelle Kraft in der Geschäftsstelle, dann geht es eben nicht. Ein Verlust für unseren Verband ist es auf jeden Fall. Ich wünsche dem Frank alles Gute und hoffentlich sieht man dich bald einmal wieder. Noch trauriger stimmt mich allerdings fast schon der letzte Satz in dem Artikel, dass der Hajo aus dem BVDM ausgetreten ist. Ich weiß nicht was im Verein, Vorstand oder sonstwo vorgefallen ist und möchte es auch nicht unbedingt wissen. Es sollte uns aber alle als Mitglieder nachdenklich machen, dass ein 1. Vorsitzender nach einer mehrjährigen, durchaus nicht erfolglosen Amtszeit augenblicklich dem Verein den Rücken kehrt. Sind wir als Vereinskameraden nicht in der Lage gewesen, eine freundschaftliche Beziehung aufzubauen die auch eventuelle Unstimmigkeiten überdauert? Hajo, ganz egal was war, es tut mir leid, und hoffentlich sieht man auch dich bald einmal wieder.
Thorsten - BallHupe 3/2005 - Seite 30
Motorradtreffpunkt „Haus Scheppen“ als Wahlkampfthema
Auf einem Wahlkampfplakat der SPD behauptete Bundestagskandidatin Petra Hinz: SPD rettet Motorrad- und Kommunikationstreff Haus Scheppen. Auf Einfluss der SPD sei die Umgestaltung des Areals vom Tisch, so die Politikerin. Das Wahlplakat und einen Leserbrief dazu schickte uns Mitglied Rudi Ehrlich: Leider weiß ich nicht, an wen ich diesen Liebesbrief senden darf! Na egal, irgendjemand wird ihn schon ihn die Finger kriegen und sich ärgern. Um es kurz zu machen, es dreht sich wieder um den beliebten Motorradtreffpunkt „Haus Scheppen“. Es ist einfach skandalös, mit welchen gemeinen Tricks die Anwohner arbeiten. Man scheut sich nicht, falsche, selbst gemachte Verkehrshinweise anzubringen. Ich wollte schon eine Anzeige machen, aber nach einigen Tagen war das selbstgebaute Produkt wieder entfernt worden. Es hat bereits eine „Beratung stattgefunden“, natürlich wieder ohne Motorradfahrer! Mir ist diese Wahlwerbung in die Finger gefallen, ich möchte aber betonen, dass ich keine Wahlwerbung machen möchte! Ich finde die Daten einfach interessant. Ich hoffe, dass ihr etwas damit anfangen könnt. Vor einiger Zeit habe ich euch schon einmal einen Brief über dieses Thema zugeschickt.
Rudi Ehrlich - BallHupe 3/2005 - Seite 28 - 29
Immer fair bleiben
Als Redakteur mit langjähriger Berufserfahrung habe ich schon jede Menge Leserbriefe auf dem Schreibtisch gehabt, darunter auch einige, die nicht veröffentlich werden konnten. Bei der Ballhupe war das bislang noch nicht der Fall, weil sich alle Leserbriefschreiber an ein paar simple Regeln gehalten haben. Name und Anschrift angeben und niemanden beleidigen. So weit so gut. Jetzt erreichte ein Schreiben die Redaktion, dass den Ansprüchen an einen Leserbrief absolut nicht genügt. Sowohl vom Ausdruck aber vor allem, weil die Postkarte zwar unterschrieben, aber kein Absender zu identifizieren ist. Ich will das Schreiben hier dennoch veröffentlichen, verbunden mit der gleichzeitigen Bitte, sich künftig an die einfachen Spielregeln zu halten und zu seiner Meinung auch mit dem eigenen Namen zu stehen. Sich hinter der Anonymität zu verstecken ist einfach, zu seiner Meinung zu stehen, verlangt dagegen Mut.
Ich stelle die in der Zuschrift angesprochenen Themen gerne zur Diskussion, schließlich soll die Ballhupe das Heft unserer Mitglieder sein, und ich bin für alle Anregungen offen. Doch ich kann und will da- Hier noch einmal der Inhalt des Postkarte in gedruckter Schrift: her auch überwiegend das veröffentlichen, was die Mitglieder liefern. Und das sind zum großen Teil Reiseberichte (Teilweise hervorragend geschrieben und zu schade zum Kürzen, so etwa der Cevennen- Bericht von Manfred Berwanger), die ich keineswegs für Schwachsinn halte. So habe ich jetzt noch mindestens drei Reiseberichte im Stehsatz, die ich aus Platzgründen bisher nicht veröffentlich habe. Mehr Technik und Berichte über Neufahrzeuge gibt es meiner Meinung nach in den gängigen Motorradzeitschriften genug. Mit denen kann und möchte ich nicht konkurrieren. Schreibt der Redaktion, was in eurer Ballhupe stehen soll. Oder – besser noch - schreibt direkt die passenden Artikel dazu. Die Vielfalt des BVDM, seiner Aktivitäten und seiner Clubs soll sich auch in der Verbandszeitschrift wiederfinden. Ich freue mich auf eine lebhafte Diskussion und viele Zuschriften.
Michael Lenzen - BallHupe 3/2005 - Seite 29
Kein echter Fortschritt?
Liebe Redaktion, auch wenn ich bisher eher passives Mitglied gewesen bin, möchte ich mit einem Leserbrief (eigentlich sind es fast schon zwei) zu den Zuschriften von Uwe Flammer und Wilhelm Ley meine Meinungen kund tun. Beide haben da Probleme angesprochen, die mich schon seit längerem „quälen“. Vielleicht habt ihr in der nächsten Ausgabe noch Platz und könnt das Folgende veröffentlichen. Motorradfahren 2005 und Zukunft, Kraftstoffverbrauch und keine Windgesichter mehr? Zum Leserbrief von Uwe Flammer: Ich meine, dabei fehlt auch der Wille zum „konstruktiven“ Energiesparen seitens der Motorradindustrie. Ich fahre nach mehreren „kleinen“ Motorrädern (Honda XL 250 K4, Zündapp KS 175, Suzuki GSX 400 E), die interessanterweise alle beim Verbrauch auf der Landstraße mit etwa 4 bis 4,5 Litern ziemlich gleichauf lagen und somit schon „damals“ dem Ideal von vier Litern recht nahe kamen, seit 1997 eine 1200er Gold Wing. Klar, dass die mehr verbraucht - Gewicht, 80er-Jahre-Motorrad und so! Aber muss ich deshalb wirklich ein schlechtes Verbrauchs-Gewissen haben? Ich habe einen aktuellen Test zum Anlass genommen und mit meinen eigenen Erfahrungen verglichen. Eigene Honda GOLD WING 1200 I, Baujahr 1987. Eckdaten: 1184 ccm, 69 kW (94 PS) bei 7.500 U/Min, 107 Nm bei 5200 U/Min., Vier-Vergaser-Anlage, Kardan, 341 kg. Verbrauch nach eigenen Erfahrungen (über rund. 80 000 Kilometer: Landstraße ca. 5,5 l/100 km, Autobahn bis Richtgeschwindigkeit ca. 6,5 l/ 100 km, Autobahn über Richtgeschwindigkeit ca. 7 bis 8,5 l/100 km. Test Syburger, August 2005, Honda CB 1300 ABS, Baujahr 2005. Eckdaten: 1284 ccm, 85 kW (116 PS) bei 7500 U/Min, 117 Nm bei 6000 U/Min., Einspritzanlage, Kette, 262 kg. Test-Verbrauch: Landstraße rund 6 l/100 km, Autobahnverbrauch „... selten über 8 Liter ...“.
Mein Fazit: Vergleichbare Motoren verbrauchen offensichtlich in etwa die gleiche Menge Kraftstoff. Was mich nachdenklich stimmt, ist, dass das in diesem Beispiel trotz 18 Jahre jüngerer Technik (vier Vergaser contra Einspritzanlage), geringerem Gewicht (341 contra 262 kg) und ähnlichem Drehzahlniveau (Höchstleistung, Drehmoment) so ist! Ich weiss natürlich auch, dass vieles vom persönlichen Fahrverhalten abhängt, aber eine Tendenz zu weniger Verbrauch bei vergleichbaren Leistungen kann ich aktuell nicht sehen. Zum Leserbrief von Wilhelm Ley: Flach, altklug oder übertrieben - keineswegs, ich würde sagen „den Lifestyle-Biker“ auf den Kopf getroffen“! Ich frage mich manchmal, ob denn die „Echten“, „Windgesichter“ etc. nicht ohnehin schon stark dezimiert sind. Denn das scheint doch eine Mehrheit zu sein, die „trendy“ ist und „Biker’s Lifestyle“ lebt - zumindest wenn ich mir die fetten Prospekte der Zubehöranbieter betrachte. Auch nach eigenen Erlebnissen und Gesprächen kann ich mich über die Motivation mancher, sich ein Motorrad zu kaufen und vorzuhalten (ja, auch das kostet!) nur noch wundern! Da gibt es eine ganzjährig angemeldete 750er, die in den sieben Jahren ihres Daseins noch keine 3000 Kilometer angesammelt hat! Andere möchten zwar auf gemeinsame Touren angesprochen werden, machen aber jegliche Tourenplanung mit dem Spruch „bin aber überzeugter Schönwetterfahrer“ selber zunichte! Und was ist jetzt mit Motorradfahren oder gar -reisen? Meist Fehlanzeige und wenn ...nun, Tourguides Leid ist eine solche Gruppe, wo es spätestens nach einer Fahr-Stunde heißt „ich will rauchen / Kaffee trinken / muss mal / mir tut der A.... weh /usw.“ Andersherum profitieren die so genannten „Echten“ von den finanzstarken „Lifestyle-Bikern“, diese ermöglichen immerhin das genannte große Angebot! Bleibt die Frage, ob es so bleibt - den Pessimismus teile ich!
Also, genießt eure Freizeit auf zwei oder drei Rädern, vielleicht mit ein paar Getreuen - denn die gibt’s noch!
Uwe Nierstenhöfer - BallHupe 3/2005 - Seite 28
Urlaub mit der Familie
Aus den Reiseberichten kennt man die vollmundigen Berichte über Reisen mit Kindern einmal zum Nordkap und zurück, oder durch die Sahara. Die meisten Kinder haben aber andere Wichtigkeiten im Urlaub als Kilometerfressen: Tiere, Spielplatz oder Schwimmbad vielleicht. So muss die Motorrad begeisterte Familie einen Spagat machen.
Seit drei Jahren fahren wir in den Ferien auf einen Bauernhof in den Schwarzwald. Dabei taten wir für uns drei einen Glücksgriff. Wir fanden einen Hof direkt in Ortsrandlage, alle wichtigen Geschäfte sind in 15 Minuten zu Fuß zu erreichen. Landschaftlich liegt unser Domizil zwischen dem Hochschwarzwald und der schwäbischen Alb, was Ausflüge in beide Richtungen möglich macht. Die Stall- und Tierzeit beschränkt sich auf 17-19 Uhr was in der anderen Tageszeit genügend Raum für Aktivitäten lässt. Da bei Kindern ja bekanntlich nicht der Weg das Ziel, sondern das Ziel der Weg ist, sind auch bei Ausfahrten andere Prioritäten zu setzen. Hier sind die Alb und der Schwarzwald bestens erschlossen. Vor Urlaubsbeginn wird ein kleiner Plan erstellt was sehenswert ist, um dazwischen auch genügend Zeit für einen Schwimmbadbesuch oder einen Wandertag zu haben. Das Schönste für mich ist natürlich, dass man hier nach dem Frühstück und 100 Metern schon auf den tollsten Motorradstraßen ist, und nicht wie wir es als Flachlandtiroler gewohnt sind erst 100 Kilometer doofe Autobahn bis zu Eifel oder Sauerland. Klar, dass wir, so weit es geht, die roten Bundesstraßen meiden, die viel schöneren sind ja sowieso gelb oder weiß in der Karte eingezeichnet. Hier ist auch wesendlich weniger Verkehr. Da sind 100-150 Kilometer Tagesetappe mit Picknick und anderen Sachen schon eine stressfreie runde Sache. So haben wir schon drei Jahre den Schw. und die Alb durchstreift und noch nicht längst alles gesehen. Oft sind es die kleinen Sehenswürdigkeiten die für Kinder besser geeignet sind als die großen. Eine Burgruine zum Klettern oder ein Museum bloß mit einem Raum der nach zehn Minuten erforscht ist, machen meist mehr Spaß als in einem Großmuseum das 20. Exponat zu ein und demselben Thema.
Ein Muss in jedem Jahr war die Faller-Ausstellung in Gütenbach. Diese hat nur mittwochs nachmittags und samstags vormittags geöffnet, aber sie ist sehr sehenswert und ohne Eintritt. Dort strahlen nicht nur Kinderaugen wenn eine Miniaturkirmes sich dreht und bewegt, auch Vater und Mutter staunen wenn Busse und Lkw wie von Geisterhand ihre Runden drehen. Es muss jeder für sich entscheiden, ob der Schwarzwald aus Feldberg, Schauinsland und Münstertal besteht oder wie für uns aus unzähligen kleinen namenlosen Straßen. Hauptsache, es macht Spaß und man bleibt oben, damit der Spagat gelingt. Bleibt oben!
MZ Pitt - BallHupe 2/2005 - Seite 30
Keine Windgesichter mehr?
Gestatten Sie mir als neuem Mitglied einen kleinen Bericht über mein „Motorradleben“ und Betrachtungen über die Zukunft des Motorrads. 1967 wurde ich auf dem Elefantentreffen am Nürburgring „infiziert“. Dann folgte mein erstes Moped Hercules K 50, es wurde sofort frisiert. 20er Dellorto Vergaser, Kröber Drehzahlmesser, Stummellenker. Mit 18 folgte mein Traum, eine MV Agusta 350, gekauft bei Hein Gericke in Düsseldorf, damals noch ein Einmannbetrieb. Hein war ein grandioser Verkäufer. Er zelebrierte die Maschine in einer mit schwarzer Folie ausgekleideten Halle. Mit der MV fuhr ich viele Jahre. Mit 19 besuchte ich das MV Werk in Galarate, ich wurde herzlich empfangen. Danach folgte eine Guzzi Le Mans 1 die heute noch in meiner Garage steht. Mein aktuelles Motorrad ist eine BMW R 80 G/S die ich seit 16 Jahren bewege. Kilometerstand 160 000. Die Maschine wurde auf 168 Kilo abgespeckt und getunt. Sie passt mir wie ein Maßanzug. Sie kam bei Enduro-Wettbewerben und auf Weltreisen zum Einsatz. Das Ding kann fast alles. Bis heute habe ich keine Alternative zu meiner alten Maschine gefunden. Die neuen sind zu schwer, zu kompliziert, zu hässlich mit so viel Plastik.
Meine Frau lernte ich noch zu MV Agusta Zeiten kennen, heute haben wir eine 17-jährige Tochter. Sie fährt eine Sachs 125er Enduro 2-Takt. Seit ihrer Kindheit fährt sie durch unsere Felder, sie soll eine gute Geländefahrerin werden. So wird sie sich auch auf der Straße sicher bewegen können. Katharina ist die einzige an ihrer Schule (900 Schüler) die eine 125er fährt. Es gibt zwar einige Rollerfahrer, die sich aber alle aufs Auto freuen. Motorrad? Nee, lieber Smart . . .
Als ich 1970 einstieg war das Motorrad ebenfalls out, es folgte dann ein Boom der vor der Jahrtausendwende seinen Höhepunkt fand. Dass die Altergruppe der Motorradfahrer immer älter wird, wissen sie. In den nächsten Jahren wird das Benzin knapp und teuer. Unsere Wirtschaft wird weiter sterben, in Deutschland wird nichts mehr produziert werden. Alles Know-How, alle Produktionen, die wir einmal „outsourcen“, kehren nie mehr zurück! Die soziale Schere wird weiter aufgehen. Es wird Menschen geben mit Arbeit und Menschen ohne Arbeit. Einen weiteren Motorradboom wird es zumindest in Deutschland nicht mehr geben. Chinesen und Russen werden direkt ins Auto einsteigen. Eine Motorradkultur wie in England und Deutschland wird es dort nie geben. Übrig bleibt bei uns ein kleiner Kreis Gutverdienender, die heute Motorradfahren, morgen golfen oder segeln. Die letzten, so genannten Echten, Ölfinger, Windgesichter oder wie immer sie heißen, werden aussterben. Die Märkte vor allem in England, Italien und Spanien werden noch etwas zulegen, den amerikanischen Markt kann ich nicht einschätzen. Als jetzt 50-jähriger Unternehmer mit 75 Mitarbeitern beschäftige ich mich sehr mit Trends und Bewegungen in der Wirtschaft und unserer Kultur. Mein kurzer Abriss scheint Ihnen vielleicht etwas flach, altklug oder übertrieben aber vielleicht denken Sie mal darüber nach.
Wilhelm Ley - BallHupe 2/2005 - Seite 28
Zum Vergleich von Rainer zwischen Auto und Motorrad
Hallo Motorradfreunde,
in der Ballhupe Nr. 1/2005 vergleicht Rainer Michtl auf der letzten Seite Pkw und Motorrad und kommt zu dem Schluss, dass Motorradhersteller noch einiges in Sachen Kraftstoffverbrauch und Luftwiderstand tun müssen. Sofern es um sparsamere Motoren, insbesondere für Tourenfahrer geht, möchte ich ihm nicht widersprechen. Trotzdem: der niedrige Verbrauch eines modernen Automobilmotors, der seine Leistung aus dem Hubraum und nicht aus der Drehzahl holt, dürfte mit einem Motorradmotor schwierig zu erreichen sein. Wir wollen schließlich kompakte, leichte Motoren, die trotzdem ausreichend Leistung bieten. Was beim Motor vielleicht noch möglich ist, wird beim Luftwiderstand zur reinen Utopie. Wer mit einem Motorrad cW-Werte erreichen will, die so gut oder noch besser sind als beim Auto, muss ein Einspurauto mit Rundum-Vollverkleidung akzeptieren. So etwas gab es ja schon, zuletzt von einem Schweizer Hersteller, der eine vom Segelflugzeug abgeleitete Fahrgastzelle mit BMW -K 100-Antrieb auf die Räder stellte. Die zweitbeste Lösung in Sachen Luftwiderstand sind die Heizgeräte, die im Straßenrennsport gefahren werden: möglichst niedrige Stirnfläche, Stummellenker, eng anliegende Verkleidung. Auf der Grand-Prix-Rennstrecke mag dies großartig sein, auf Autobahnen akzeptabel, auf der Landstraße unbequem, auf Reisen unpraktisch und im Stadtverkehr schlicht lebensgefährlich. Hier sind Maschinen gefragt, auf denen der Fahrer den Überblick über das Verkehrsgeschehen behält, in jeder Lage sofort reagieren kann und von den anderen Verkehrsteilnehmern nicht übersehen wird. Enduros mit hoher Sitzposition und hohen, breiten Lenkern sind für alle Straßen, die nicht Autobahn sind, die Ideallösung - aber eine aerodynamische Katastrophe. Vier Liter Benzin auf 100 Kilometer auf Landstraßen sollten machbar sein, ohne den Fahrspaß nennenswert einzuschränken. Weiter runter wird’s schwierig.
Uwe Flammer - BallHupe 2/2005 - Seite 28 / 29
Von den ärgerlichen Kleinigkeiten und den großen Verbesserungen für Motorradfahrer
Hallo, liebe Motorradfreunde von der Ballhupe! Erstmal vielen Dank für Euer Engagement! Und nun zum Thema:
Rainer Michtl hat in seinem Leserbrief “Schwarzfahren kann teuer werden” ein interessantes Thema angeschnitten: wirklich praxisgerechte Fahrerausstattung für Alltagsfahrer. Ich selbst fahre meine Honda Transalp das ganze Jahr hindurch bei jedem Wetter - aus Freude am Fahren, müssen tue ich´s dank Straßenbahn und Auto nicht - und kann daher einige seiner Kritikpunkte nachvollziehen. So stehenlassen möchte ich das aber trotzdem nicht. Meine Stiefel, Handschuhe und Hosen sind schwarz, und diese Farbe habe ich bewusst gewählt. Weil diese Dinge beim alltäglichen Fahren nämlich auf jeden Fall schwarz bzw. so schmutzig werden, dass die Freude an der Signalfarbe bald vorbei ist. Für Leder, das nicht eingefärbt ist, gilt dies ganz besonders. Ich sehe es an meinen Sommerhandschuhen von Held, deren Innenseite tatsächlich mal naturfarben war und jetzt immer schwärzer und hässlicher wird. Dann lieber gleich richtig schwarz. Bei Helm und Jacke sieht dies anders aus. Signalfarbene Gore-Tex-Jacken in ansprechendem Design gibt es von vielen Herstellern. Bei den Helmen allerdings bieten immer mehr Hersteller nur kotz-hässlich gestaltetes, sehr farbiges und dazu noch teures Dekor und als Alternative unischwarz an - wenn man Glück hat, gibt es noch unisilber dazu. Diesem Nonsens sollte dringend Einhalt geboten werden. Gerade ein signalfarbener Helm ist ein gutes Mittel, um im Straßenverkehr nicht übersehen zu werden.
Koffer und Topcases in nichtschwarzer Farbe sind kein Thema, sofern die Koffer vom Fahrzeughersteller als Sonderausstattung angeboten werden, was ja immer häufiger der Fall ist. Nur sollten diese Originalkoffer bitte genauso groß, stabil und praxisgerecht werden, wie die Produkte aus dem Zubehörhandel. Die modisch designten, aber viel zu kleinen Köfferchen, die zu vielen Motorrädern angeboten werden, lasse ich gerne im Laden. Dann lieber schwarze Koffer von Hepco-Becker oder Givi - zur Not mit signalfarbenen Aufklebern. Wieso müssen aber fast alle Koffer immer noch seitlich aufgehen, wenn sie am Motorrad hängen? Auf jedem Parkplatz immer auf´s Neue die Klamotten vom Boden auflesen zu müssen, nachdem sie aus dem Koffer gefallen sind, ist auf Dauer nicht der Hit.
Zurück zur Kleidung: Moderne Motorradkleidung ist auf dem Motorrad besser denn je und erfüllt ihren Zweck, den Fahrer sowohl vor Wind und Wetter als auch vor den Folgen eines Sturzes zu schützen und trotzdem komfortabel zu sein. Trotzdem bleiben Wünsche offen. Immer noch gibt es selbst Gore-Tex-Jacken mit Kragen, die viel zu niedrig sind und/oder so eng, dass keine Fleecejacke mit hohem Kragen mehr drunter passt. Und weshalb gibt es keine Hosen mit wasserdichten Beintaschen, in denen sich Geldbeutel, Schlüssel, Brieftasche, Handy, Organizer und ggf. die Digitalkamera unterbringen lassen, ohne dass sie beim Fahren stören? Damit diese Gegenstände den Fahrer bei einem Sturz nicht verletzen, kann man ja Protektoren drunter setzen. In der Jacke möchte ich all dies nicht haben, denn die will ich auf dem Parkplatz oder in der Kneipe auch mal unbeaufsichtigt ablegen können. Und den diebstahlsicheren Tankrucksack hat auch noch keiner erfunden - warum eigentlich nicht?
Vor allem aber hätte ich gerne eine Kleidung, in der man sich auch mal ohne Motorrad sehen lassen kann. Die meisten Bekleidungshersteller glauben offenbar immer noch, dass Motorradfahrer aussehen müssen wie Grand-Prix- oder Moto-Cross-Rennfahrer oder wie Rocker oder wie Astronauten. Solange man auf der Maschine sitzt, kann das ja sogar gut aussehen. Als Tourenfahrer möchte man aber auch mal zu Fuß fremde Städte erkunden oder sonstige Locations und Events besuchen, die sich nicht speziell an Biker wenden, ohne dort zur lächerlichen Figur zu werden. Wenn ich dann wieder auf dem Motorrad sitze, kann ich mich über die Sitzbank ärgern. Immer mehr Hersteller nehmen Rücksicht auf Frauen und kleingewachsene Männer und bieten niedrigere Bänke als Zubehör an. Schön. Nützt mir leider nix, denn ich bin größer als der Durchschnitt und brauche daher eine besonders hohe Bank. Die muss nicht höhenverstellbar sein, es reicht vollkommen, wenn sie für mich und meine langen Beine passt. Mehrere Bänke in unterschiedlichen Höhen sollten Standard werden, bei allen Motorrädern! Wenn dazu noch die Lenkerhöhe auf einfache Weise angepasst werden kann, wird´s perfekt.
Zum Schluss noch ein Thema, das heute kaum noch angesprochen wird, wohl, weil die Kritiker endgültig vor der Ignoranz der Motorradhersteller kapituliert haben: wann gibt es endlich (wieder) Maschinen mit Kettenantrieb zum Hinterrad, bei denen die Kette optimal abgedeckt ist? So, dass zwar noch Luft zum Kühlen ran kommt und der Fahrer das Ding jederzeit schmieren kann, aber die Kette nicht das Maschinenheck einsaut und bei Regen nicht geduscht wird? Von Ölbad-Kettenkästen à la MZ oder Münch wage ich schon nicht mehr zu träumen. Vielleicht gibt es in Zukunft wenigstens öfters mal ein neues Modell mit Zahnriemen, nachdem nun BMW die Scarver damit ausgerüstet hat?
Uwe Flammer - BallHupe 1/2004 - Seite 14 / 15
Artikel sollen künftig mit Namen gekennzeichnet werden
Hallo Ballhupe-Redaktion,
in der Hoffnung, damit insbesondere aus dem bisherigen Ballhupe-Team niemand zu nahe zu treten, fällt mir positiv auf, dass jetzt sowohl die Anzahl der Jammerberichte (so ungefähr was war das doch für eine tolleVeranstaltung, und kaum jemand war dabei - ihr seid doch alle Banausen bzw. selber schuld) als auch die Anzahl der Rechtschreibfehler merklich zurückgegangen ist. Auch eine andere allgemeine Anmerkung habe ich noch: Nicht jeder kennt jeden persönlich, die schreibenden bzw. beschriebenen Leute sollten zumindest einmal mit vollem Namen genannt werden. Im weiteren Text tun es dann ggf. auch Vornamen oder Kürzel. Aber wenn diese Kurzformen auch gleich am Anfang stehen, habe zumindest ich den Eindruck, dass es sich um eine Insider-Angelegenheit handelt, bei der Fremde bzw. Neue eher unerwünscht sind.
Martin Theodor Ludwig - BallHupe 1/2004 - Seite 25 |